Lichtburg Saal

Vorstadtkrokodile

Deutschland 2008; Regie: Christian Ditter; mit Nick Romeo Reimann, Fabian Halbig, Leonie Tepe, Manuel Steitz, Jacob Matschenz, Axel Stein, Oktay Özdemir, Maria Schrader, Smudo, Nora Tschirner, Martin Semmelrogge, Ralf Richter; 98 Min.; FSK ab 6 Jahre


Kinotrailer von Filmtrailer.com

An der Verfilmung von Max von der Endes berühmten Jugendabenteuer versuchte sich 1977 bereits Wolfgang Becker. Jetzt bekommt die Kindergang einen modernen Anstrich, während die Geschichte nur marginal verändert wurde. Regisseur Christian Ditter macht daraus bodenständiges Jugendkino.

Es ist eine Geschichte über die üblich verdächtigen Kinder- und Jugendthemen wie Zusammenhalt, Freundschaft und Abenteuerlust vor provinzieller Kulisse im Ruhrpott. Die „Vorstadtkrokodile“ sind eine typische Bande von Teenagern, die im Wald ein geheimes Baumhaus haben und in ihrem Entdeckerdrang etwa in der Mitte zwischen den „Wilden Kerlen“ und den aufklärerischen „TKKG“ stehen. Das Altkluge der „Drei ???“ verkneifen sie sich – sie sind schlichtweg eine Gruppe von normalen, durchaus aufgeweckten Teenagern.

Basierend auf der bekannten Romanvorlage von Max von der Grün und dem gleichnamigen Film von 1977, bei dem Wolfgang Becker („Good Bye, Lenin“) Regie führte, wurde die Geschichte nun leicht modifiziert: Noch immer geht es um den jungen Hannes (Nick Romeo Reimann), der seinen neuen Schulfreund Kai (Fabian Halbig) bei den Vorstadtkrokodilen unterbringen will. Noch immer sträuben sich die Mitglieder, weil Kai ein „Spasti“ ist, der im Rollstuhl sitzt. Während die Geschichte in der Originalfassung immer wieder ins italienische Gastarbeitermilieu abtauchte, kommen die Kinder jetzt nur am Rande mit albanischen Kindern aus der Nachbarschaft in Berührung, die trotzdem eine Schlüsselrolle übernehmen.

Als Kai aus dem heimatlichen Zimmer per Fernrohr einen Einbruch beobachtet, verdächtigt er ausgerechnet den älteren Bruder von Frank (David Hürten), seinen neuen Bandenkollegen bei den Vorstadtkrokodilen. Die moralische Frage, ob Blut wirklich dicker ist als Wasser, wird dabei zum thematischen Leitfaden. Geschickt verhandelt der Film aber nicht nur Gesetzes- und Gerechtigkeitsfragen, sondern auch den respektvollen Umgang mit ausländischen Mitbürgern, denen die Gauner im Film die Schuld in die Schuhe schieben wollen. Mehr noch: Auch dem Rollenbild der starken, allein erziehenden Frau widmet sich „Vorstadtkrokodile“. Hannes’Mutter (Nora Tschirner) betreibt einen Lebensmittelladen, der auch einem Einbruch zum Opfer fällt – für die kleine Familie die einzige Existenzgrundlage.

Wo der Film in Sachen Inhalt und Erzähltempo kurzweilig überzeugt, wirkt er in der Rollenbesetzung teilweise unbeholfen. Nora Tschirner wirkt in ihrer jugendlichen Unbekümmertheit sympathisch, aber nicht als Mutter glaubwürdig. Ähnlich ist es mit Smudo, sonst Rapper bei den Fantastischen Vier, der hier den Vater des 13-jährigen Kai spielt. Prominente Namen, die als Zugpferde ihren Sinn machen, aber in falschen Rollen stecken. Trotzdem sind die „Vorstadtkrokodile“ unterhaltsames Jugendabenteuer-Kino, das sowohl die Unbeschwertheit des Teenager-Daseins, als auch Probleme gegenwärtiger Eltern-Kinder-Beziehungen zeigt, wenn etwa Väter vor häuslicher Gewalt nicht zurückschrecken oder Scheidungskinder neue Situationen meistern müssen. Ein schönes Detail: In der Originalverfilmung spielt Willy Semmelrogge einen kleinkarierten Minigolfplatzbesitzer, der sich mit der Kinderbande anlegt. In der Neuauflage schlüpft nun sein Sohn, Martin Semmelrogge, in die Rolle.


Quelle: David Siems, Programmkino.de

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Der Film im Internet

www.vorstadtkrokodile.film.de

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