Lichtburg Saal

The King's Speech

GB/USA 2010; 118 Min.; Regie: Tom Hooper; mit Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Guy Pearce, Derek Jacobi, Michael Gambon, Claire Bloom; FSK 0 Jahre

Kinotrailer von Filmtrailer.com

Es ist nur ein unbedeutendes Pferderennen, bei dem Prinz Albert von York, genannt Bertie, eine Rede halten soll. Doch kaum leuchtet der rote Knopf am Mikrofon, obsiegt zuverlässig die Nervosität, und Bertie beginnt unter den sich peinlich berührt abwendenden Zuschauern zu stottern. Alle möglichen und unmöglichen Behandlungsmethoden haben Bertie (Colin Firth) und seine Frau Elizabeth, die spätere Queen Mom (Helena Bonham Carter) schon in Erwägung gezogen, geholfen hat keine. Sehr zum Verdruss von Berties autoritärem Vater König George V (Michael Gambon), und das, obwohl Bertie eigentlich gar keine Aussichten auf den Thron hat. Er ist der jüngere Bruder vom zukünftigen König Edward VIII. (Guy Pearce), einem strahlenden, selbstbewussten Lebemann. Der allerdings eine Schwäche für die Damen hat und im Besonderen für die schon zwei Mal verheiratete Wallis Simpson.

Doch diese faszinierende historische Episode ist nur Hintergrund in Tom Hoopers Film, ebenso wie der sich anbahnende Zweite Weltkrieg. Ähnlich wie „The Queen“ entfaltet auch „The King’s Speech“ ein historisches Panorama anhand einer Person und ihrer zunehmenden Selbsterkenntnis. Für Bertie ist der Auslöser für seinen Wandel der unkonventionelle Logopäde Lionel Logue (Geoffrey Rush). Lionel, ein Mann aus dem Volk, dazu noch Australier und nicht gerade mit größtem Respekt für königliche Hoheiten ausgestattet, bemüht einen psychologischen Ansatz, um die Probleme des zukünftigen Königs zu lösen. Mehr als widerwillig lässt sich Bertie auf die Behandlung ein, die ihre Komik vor allem daraus bezieht, einen Adeligen bei bizarren Entspannungsübungen und ausufernden Fluchtiraden zu beobachten.

Dass die Ursachen für Berties Stottern in seiner Rolle als Zweitgeborener liegen, der ständig im Schatten seines Bruders stand und den Erwartungen eines autoritären Vaters nie recht wurde, ist so offensichtlich wie banal. Vielleicht deswegen hält sich der Film kaum mit solchen Nebensächlichkeiten auf, sondern schwelgt in der Dramatik der Simpson-Affäre. Nach dem Tod von George V. findet sich Edward plötzlich auf dem Thron – und entscheidet sich für das Undenkbare: Aus Liebe zu Wallis Simpson verzichtet er auf die Krone und überlässt das schwierige Amt seinem Bruder. So ist der Weg frei für die finale, titelgebende Rede des Königs, mit der Bertie, nun als König George VI., seine Sprachschwierigkeiten überwindet, um die Nation auf den schweren Weg des gerade angebrochenen Kampfes gegen Hitler einzustimmen.

Für einen Moment deutet der Film hier eine interessante Gegenüberstellung an: Auf der einen Seite der Stotterer George VI, auf der anderen der brillante Redner Hitler. Doch auch dieses Potential verschenkt der Film, der im Sauseschritt durch die Geschichte rennt. Mal taucht Winston Churchill auf, kurz ist Nevil Chamberlain zu sehen, doch wirkliches Interesse an den historischen Umständen hat „The King’s Speech“ nicht. Er konzentriert sich ganz auf die Darstellungskünste Colin Firths. Was man ihm nicht wirklich verdenken kann, so eindrucksvoll und überzeugend spielt Firth einmal mehr. So wird aus einem inhaltlich wenig überraschenden Historienfilm dann doch eine mitreißende Charakterstudie, deren Emotion man sich kaum entziehen kann.

Mehr Infos

Der Film im Internet

www.thekingsspeech.senator.de

Szenenfotos