Männerherzen... und die ganz, ganz große Liebe
Lichtburg Saal

Taste the Waste

Deutschland 2011; 91 min; Buch und Regie: Valentin Thurn; ; FSK 0 Jahre; Altersempfehlung: ab 13 J., ab 8. Klasse

Kinotrailer von Filmtrailer.com

Welche Massen an Lebensmitteln unsere modernen Überflussgesellschaften verschwenden, zeigt Valentin Thurn in seiner Dokumentation "Taste the Waste." Vielfältige Beispiele aus aller Welt trägt Thurn zusammen, beschränkt sich aber nicht auf die bloße Lebensmittelverschwendung, sondern zeigt auch die weitreichenden Folgen für Umwelt und Weltklima auf. Ein erschreckender Film, den jeder Verbraucher sehen müsste

Es sind erschreckende, abstoßende Bilder und Fakten, die Valentin Thurn in seiner Dokumentation „Taste the Waste“ zusammenträgt. Bilder, die jedem Horrorfilm Ehre machen würden, mit dem Unterschied, dass es hier nicht um Fiktion geht, sondern um die traurige, tägliche Realität der modernen Überflussgesellschaften. Speziell die Verschwendung von Lebensmitteln zeigt Thurn auf, an Beispielen aus unter anderem Frankreich, Deutschland, Amerika und Japan. Da sieht man Supermärkte, die erst in ein, zwei Tagen ablaufende Lebensmittel palettenweise aus dem Regal nehmen, Bauern, die Kartoffeln aussortieren, weil sie zu groß, klein oder einfach nicht schön geformt sind, Großbäcker, die Kiloweise Brot vernichten, weil Supermärkte und Verbraucher auch kurz vor Ladenschluss noch voll gefüllte Regale erwarten. 

Es ist ein erschreckendes Bild der Verschwendung, das Thurn aufzeigt, ausgelöst durch die zunehmende Pingeligkeit der Verbraucher: Obst, das ein klein wenig eingedrückt ist, Gemüse, das nicht der idealen Form entspricht, Verpackungen, die ein wenig aufgerissen sind, Backwaren, die nicht mehr hundertprozentig frisch aussehen: alles landet auf dem Müll. So kommt es, das ein gewöhnlicher Supermarkt jährlich 500 Tonnen Abfall produziert oder ein Bauer rund 40% seiner Kartoffeln auf dem Feld zurücklassen muss. Man könnte diese Liste endlos fortführen, die Verschwendung kennt keine Grenzen.

Zum Glück belässt es Valentin Thurn nicht bei diesen reinen Negativbeispielen, sondern zeigt auch Wege auf, die Verschwendung einzudämmen bzw. das Weggeworfene zumindest etwas zu nutzen. So zeigt er eine Großbäckerei, die ihren Brotabfall zu Brennstoff verarbeitet und damit die Öfen heizt. Denn die Konsequenzen der Verschwendung liegen nicht einfach nur in weggeworfenen Produkten. Um das ganze Ausmaß der Misswirtschaft zu verstehen, müssen auch die Kosten der Produktion und der Lebensmittelvernichtung berücksichtigt werden. Der Energieaufwand, das Wasser, aber auch die Abgase, die für die dann weggeworfenen Lebensmittel verbraucht werden, tragen enorm zum Treibhauseffekt bei, die Verschwendung schadet der Erde also doppelt.

Zu erwarten, dass die Verbraucher ihre über lange Jahre entwickelten Verhaltensweisen so schnell ändern, dürfte utopisch sein. Und so zeigt Thurn im zweiten Teil seines Films Versuche auf, die Verschwendung zumindest einzudämmen: Seien es junge Leute, die sich aus den Mülltonnen der Supermärkte mit eigentlich noch brauchbarem, aber doch schon weggeworfenem bedienen – fraglos nicht wirklich eine Methode, die sich weit verbreiten wird – die angesprochene Verwendung von Brot als Heizmittel oder Versuche, mit den „Abfällen“ arme Menschen zu ernähren. Vor allem aber will dieser Film aufrütteln und ein Problem unserer industrialisierten Überflussgesellschaft aufzeigen. Er tut dies ohne anzuprangern, ohne polemisch zu werden. Das ist auch gar nicht nötig, die Perversion dieser Verschwendung ist auch so allzu offensichtlich, auch wenn sie in der breiten Öffentlichkeit kaum beachtet wird. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Film ein wenig zur fraglos schwierigen Veränderung beitragen kann.

Quelle: Michael Meyns, Programmkino.de

 

Pressestimmen:

"Am Ende erhält das Publikum ein schlüssiges Bild von Ursache und Wirkung – und konkrete Anregungen, wo sich auch im eigenen Konsumverhalten der Hebel zur Veränderung ansetzen ließe." Das Onlineportal für Filmbildung

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