Lichtburg Saal

In einer besseren Welt

Dänemark/Schweden 2010; 113 Min.; Regie: Susanne Bier; mit Mikael Persbrandt, Trine Dyrholm, Ulrich Thomsen, Markus Rygaard, William Johnk Nielsen, Bodil Jorgensen, Elsebeth Steentoft, Martin Buch, Anette Stovlbæk, Kim Bodnia; FSK 12 Jahre

Wie schon in ihrem 2004 fertig gestellten Film "Brothers – Zwischen Brüdern", an den man sich jüngst aufgrund des Remakes durch Jim Sheridan wieder erinnern durfte, siedelt Susanne Bier ihren Film erneut auf zwei Kontinenten an. Sie bringt damit brisantes internationales Zeitgeschehen in Verbindung mit alltäglichen und universellen Konflikten. Bier und ihr langjähriger Drehbuchpartner Anders Thomas Jensen ("Adams Äpfel") zeigen auf, dass es sowohl beim Krieg im Großen wie auch Konflikten im kleinen familiären Umfeld immer auf viel Fingerspitzengefühl ankommt.

„In einer besseren Welt“ beginnt in einem afrikanischen Flüchtlingscamp. Hier arbeitet und operiert der Schwede Anton (Mikael Persbrandt) als idealistischer Arzt, dem die Kinder zujubeln und die Arbeit in der von Rebellen verunsicherten Umgebung kein Ende zu nehmen scheint. In der besseren Welt, daheim in Dänemark, haben sie derweil ganz andere Probleme. Antons Frau Marianne (Trine Dyrholm), auch sie eine Ärztin, hat gut zu tun, die beiden Kinder aufzuziehen. Für sie erschwerend kommt hinzu, dass es in ihrer Ehe kriselt, nachdem Anton einen Seitensprung gebeichtet hat, den sie ihm nicht verzeihen kann.

Ins Blickfeld rückt nach der Eröffnungssequenz in Afrika aber zunächst eine andere Familie mit einem anderen Jungen. Es ist der aus wohlhabendem Haus stammende zwölfjährige Christian (William Johnk Nielsen), der nach den Tod seiner Mutter wieder zum Vater (Ulrich Thomsen) nach Dänemark zieht. In seiner neuen Schule beobachtet er, wie Elias (Markus Rygaard) von halbstarken Mitschülern gemobbt wird. Den durch sein Einschreiten provozierten Machtkampf mit dem Bandenführer entscheidet Christian auf eine nicht zu tolerierende Weise. Doch weil sich Christian und Elias gegenseitig decken, hat die an den Tag gelegte Gewaltbereitschaft – von Christian gegenüber seinem Vater als Akt der Selbstverteidigung gerechtfertigt – weder juristische noch erzieherische Konsequenzen.

Bier und Jensen lassen im kleinen Umfeld der beiden durch Elias und Christian in Kontakt gekommenen Familien noch einige weitere Beispiele und Situationen von Machtdemonstration folgen. Hier eine harmlose Auseinandersetzung mit einem aggressiven Vater nach einer Sandkastenrauferei, dort eine Begegnung mit jenem Mann im afrikanischen Camp, der verantwortlich ist für oft tödliche Schicksale. Gerade die unfreiwillige Bekanntschaft mit dem tyrannischen Warlord erschüttert Anton in seinem hilfsbereiten humanistischen und pazifistischen Weltbild kolossal. Gleichzeitig macht sich zuhause sein Sohn zum Handlager eines Racheaktes, der alles andere ist als eine Lösung auf der Suche nach Gerechtigkeit.

„In einer besseren Wert“ ist deshalb ein so starker Film, weil er seine Charaktere in nachvollziehbare persönliche Konflikte stürzt, ihre seelischen Verletzungen und die in den Familien stattfindende Entfremdung überzeugend herausarbeitet, sich aber trotz der unterschiedlichen Handlungsorte nicht verzettelt. Dass das Flüchtlingslager in einem nicht definierten afrikanischen Land steht und eher als Platzhalter für Zerfall und Tod denn Hoffung dargestellt wird, mag im Anspruch auf Universalität begründet sein. Das eingespielte Doppel Bier/Jensen ist jedenfalls klug genug, sich einer moralischen Bewertung zu enthalten, sondern überlässt diese Entscheidung dem Verlauf der einzelnen Handlungsstränge. Großen Anteil an der Glaubwürdigkeit der dramatischen Ereignisse haben dabei insbesondere die beiden Darsteller der Jungen.

Mehr Infos

Der Film im Internet

www.ineinerbesserenwelt.de

Szenenfotos