Lichtburg Saal

Goodbye Bafana

D/F/B/I/ZA 2007; 117 Min.; Regie: Bille August; mit Joseph Fiennes, Dennis Haysbert, Diane Kruger, Shiloh Henderson, Faith Ndukwana, Adrian Galley, Terry Pheto

Basierend auf den Erinnerungen eines südafrikanischen Gefängniswärters, der durch den Kontakt mit Nelson Mandela seine Prinzipien veränderte, erzählt Bille August von einer der charismatischsten Persönlichkeiten unserer Zeit. Penibel in Ausstattung und Kostümen, lebt der Film zum einen von Dennis Haysbert exzellenter Darstellung als Nelson Mandela, zum anderen davon, dass das Erzählte tatsächlich stattgefunden hat, denn sich eine solche Geschichte ausdenken, wäre kaum möglich.

Der Film handelt von der verwerflichen, perversen Apartheid in Südafrika, vom Freiheitskämpfer, Übermenschen und Propheten Nelson Mandela sowie von seinem persönlichen Gefängniswärter James Gregory und dessen Frau Gloria.

Gregory verstand einen afrikanischen Dialekt. Deshalb wurde er, der einfache Vollzugsbeamte, zu Mandela auf die Gefängnisinsel Robben Island abkommandiert. Der südafrikanische Sicherheitsdienst war darauf bedacht, Mandela auszuhorchen.

Gregory war anfänglich ein Rassist, ein Befürworter der Apartheid, einer, der geprägt war vom Hass der Weißen gegenüber den „Kaffern“, von der Angst, knapp 20 Millionen unterdrückte Schwarze könnten sich auflehnen gegen vier Millionen Weiße.

Gregorys Frau Gloria plapperte lange ebenfalls die Auffassung der Buren nach, die Farbigen seien Untermenschen, die Trennung zwischen weiß und schwarz müsse sein, Gott habe das so gewollt. Sie war zudem ehrgeizig und darauf aus, dass ihr Mann befördert werde.

Mandelas menschliche, moralische und kämpferische Größe braucht nicht mehr beschrieben zu werden. Er ist einer der wichtigsten Menschen, die heute leben.

1968. Gregory tritt seinen Dienst als Bewacher Mandelas an. Er ist streng, hält sich an die Regeln, verrät aufständische ANC-Mitglieder, die daraufhin ihr Leben verlieren. Er hat keinen großen Spielraum, denn nicht nur Mandela wird überwacht. Auch dessen Gefängniswärter untersteht der Kontrolle. So geht das jahrelang.

Aber Gregory sieht auch das Unrecht, das den Gefangenen angetan wird. Er nimmt wahr, dass die Freiheits-Charta des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) nicht einmal gelesen werden darf. Ihm wird zunehmend der starke Kampfes-, Gerechtigkeits- und Freiheitswille Mandelas bewusst. Er beginnt zu zweifeln. Ihm wird klar, dass mit der Apartheid die weiße Bevölkerung Südafrikas keine Zukunft haben wird. Er beginnt Mandela zu schätzen. Es ist kein schneller Prozess, denn er dauert fast 20 Jahre. Aber am Ende werden Mandela und Gregory Freunde sein.

1999 kommt Mandela nach 27 Jahren frei. Vier Jahre später ist er Südafrikas erster Präsident.

Minutiös, historisch genau und formal überaus beeindruckend werden diese Dekaden und die ihnen eigenen Geschehnisse rekonstruiert. Unzählige Situationen und Abläufe sind geschildert, und Genauigkeit in jeder Beziehung war dabei auf der Grundlage eines ausgezeichneten Drehbuches Regisseur Bille Augusts oberstes Gebot.

Für Joseph Fiennes (Gregory), Dennis Haysbert (Mandela) und Diane Krüger (Gloria) war es eine ebenso packende wie schwierige Aufgabe, die menschliche Intensität der Personen, die Gestik, den besonderen südafrikanischen Sprachduktus überzeugend zum Ausdruck zu bringen. Jeder der drei bietet eine tolle Leistung.

Die moralische Botschaft des Films ist nicht hoch genug einzuschätzen. Letzten Endes siegt immer das beharrlich verfochtene Recht über falsche Macht und Unrecht.

Ein großartiger Film. Darf in keinem Filmkunsttheater und Programmkino fehlen.

Quelle: Thomas Engel, Programmkino.de

 

Mehr Infos

Der Film im Internet

www.goodbyebafana.com

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