Lichtburg Saal

Die Welle

D 2008; 100 Min.; Regie: Dennis Gansel; mit Jürgen Vogel, Max Riemelt, Cristina do Rego, Christiane Paul, Maren Kroymann; ab 12 J.

Nach seinem Geschichtsdrama „Napola“ beschäftigt sich Regisseur Dennis Gansel zum zweiten Mal hintereinander mit autokratischen Strukturen. In „Die Welle“ präsentiert er dazu Jürgen Vogel als engagierten Gymnasiallehrer, der seinen Schülern durch ein gewagtes Experiment beweist, dass totalitäre Systeme jederzeit möglich sind. Gansels Film ist eine spannende Sozialstudie, die auf einer wahren Begebenheit beruht.

Ein Film, der auf einem Experiment in einer amerikanischen High School beruht. Zumindest indirekt lag die Auseinandersetzung mit der Geschichte Deutschlands zugrunde. Wie konnte es geschehen, so die Frage, dass Millionen und aber Millionen Menschen Hitler nachliefen?

Und: Wann wird eine zunächst durchaus friedliche Menschengemeinschaft unter der Führung einer raffinierten und verführerischen Persönlichkeit zur quasi-faschistischen Truppe, die kein Maß mehr kennt, nur noch ihre Ideologie verfolgt, zur Macht strebt und diese missbraucht? 

Der Film: In der Oberschule einer deutschen Stadt ist eine Projektwoche zum Thema Staatsformen anberaumt. Dem Lehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) wird das Thema Autokratie zugeteilt. Seiner Einstellung und seinem Wesen nach hätte er lieber das Thema Anarchie behandelt, aber er akzeptiert.

Die Woche beginnt. Und damit die latente Einübung der (faschistischen) Autokratie. „Macht durch Disziplin“, „Macht durch Gemeinschaft“ heißen jetzt die Stichworte. Wenger führt die gänzlich unterschiedlich und zuerst völlig desinteressierten Schüler einem strikten Gemeinschaftsdenken, dem Ideal einer unverzichtbaren Leitfigur, dem Tragen einer „Uniform“ und zuletzt einem offenen Fanatismus zu. 

Die Teilnehmer am Autokratie-Kurs sind zunehmend begeistert. „Die Welle“ ist der Name der neuen Truppe. Sogar einen eigenen Gruß legen sie sich zu. Ein eigenes Logo sowieso. Überall wollen sie nun ihre Idee verbreiten.

Einige sind dagegen. Sie werden ausgeschlossen, geradezu geächtet. Die Bewegung ist ein ideologischer Selbstläufer geworden, so gut wie nicht mehr kontrollierbar. Gegnerschaft, Streit, Chaos brechen aus. Rainer Wenger ist zu weit gegangen. 

Im Kleinen ein Beispiel dafür, wie eine große Masse verführt werden kann. Wie gesagt hat auch das Experiment an der amerikanischen Schule dies bewiesen.

Das Aufzeigen der Gefahr des extremen Nationalismus ist ein Herzensanliegen des Regisseurs Dennis Gansel. Er hat seinen Film nicht gänzlich von einer Schematisierung und von gewissen Klischees fernhalten können. Aber das Thema ist wichtig, in gewissem Maße aktuell, auf jeden Fall notwendig. Und hier mit einer flüssigen, sogar weitgehend differenzierten Inszenierung versehen.  

Jürgen Vogel als Wenger ist gut wie immer. Die Schülerdarsteller geben ihr Bestes. Auch eine kleine, durch den problematischen Verlauf des Geschehens belastete Liebesgeschichte fehlt nicht. 

Ein ebenso aufschlussreiches wie verheerendes, nicht nur zum Nachdenken, sondern zum Handeln zwingendes Experiment.

Quelle: Thomas Engel, Programmkino.de

 

Mehr Infos

Der Film im Internet

www.welle.film.de

Szenenfotos