Lichtburg Saal

Ben X

B 2007; 93 Min.; Buch u. Regie: Nic Balthazar; mit Greg Timmermans, Lura Verlinden, Marijke Pinoy, Pol Goossen, Titus De Voogdt, Maarten Claeyssens; ab 12 J.

Inspiriert durch einen Zeitungsbericht über den Selbstmord eines autistischen 14jährigen, erzählt der beeindruckende Debut-Film des belgischen Journalisten Nic Balthazar die Leidensgeschichte Ben Vertriests. Von seinen Mitschülern permanent gedemütigt, flüchtet dieser in die virtuelle Welt eines Online-Rollenspiels. Balthazar spielt dabei mit den Gestaltungsmitteln der Computergames und des Fernsehens und zeichnet dabei treffend das Bild einer zutiefst mediatisierten und kommerzialisierten Jugendkultur.

Pressestimmen

„Ein grandioser belgischer Film - nicht nur für Jugendliche.“ ZDF aspekte

„Das moderne Sozialdrama beeindruckt durch mutige Statements und seine innovative Online- Optik.“ Cinema

„Dem belgischen Erfolgsfilm gelingt es überzeugend, in das Innenleben eines Menschen einzudringen.“ TIP Berlin

Filmkritik

Ben Vertriest leidet am Asperger-Syndrom, einer Kontakt- und Kommunikationsstörung. Er scheut Blick- und Körperkontakt, hat große Schwierigkeiten, zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen. Dem blassen schlaksigen Jugendlichen sieht man die Anstrengung an, mit der er seinen Alltag zu bewältigen versucht. Er scheint unter ständiger Anspannung zu stehen. Nach außen hin einigermaßen normal zu wirken, nicht aufzufallen, das ist für Ben ein enormer Kraftakt. Nur wenn er in die phantastische Welt des Online-Rollenspiel „Archlord“ eintaucht, kann er sich entspannen. Sie bietet ihm Schutz. Aber auch in der realen Umgebung vermischt sich Bens Wahrnehmung immer wieder auf für ihn beruhigende Weise mit der virtuellen, vermittelt ihm zeitweise ein Gefühl der Kontrolle. Seine Schritte gleichen dann den unnatürlichen Bewegungen seines Avatars im Game, der immer etwas unbeholfen, den Gang realer Menschen nachzuahmen versucht. Sein Blick scannt die Personen in seiner Umgebung wie Fremdlinge, ganz frei von Empathie und voller Unverständnis für ihre Verhaltensweisen: „Guten Morgen. Das sagen Menschen immer. Ob er gut ist oder nicht.“

Seine Mitschüler reagieren auf gnadenlose Weise auf Bens Andersartigkeit. Seit seiner Kindheit wird er schikaniert und gedemütigt. Während Ben Schutz in der virtuellen Welt sucht, fällt die Wirkung der realen Welt immer mehr in diese ein. Das Mädchen, das hinter der virtuelle Figur Scarlite, der Heilerin  an seiner  Seite in  „Archlord“, steckt, kündigt an, ihn zu besuchen. Ben schwankt zwischen Vorfreude und Angst, denn schließlich weiß er um seine Kommunikationsstörung in der realen Welt. Dann wird der traurige Höhepunkt der Demütigungen seiner Mitschüler von mehreren Handy-Kameras festgehalten und im Netz verbreitet. In Ben wächst daraufhin der Entschluss, seinem unerträglichen Leben ein Ende zu bereiten.

Balthazar beleuchtet in seinem Film treffend die heutige Jugendkultur, die in einer Gesellschaft aufwächst, in der es kaum einen Ort gibt, der frei von den Alltagsmedien, wie Internet, Handy und Fernsehen existiert. So werden auch immer wieder Fernsehausschnitte eingefügt, die zeitlich nach den Ereignissen liegen und in denen die Beteiligten als Talking Heads versuchen, deren Ursachen und Gründe zu verstehen. Eindeutigkeiten, Simplifizierungen und auch der Wahrheitsanspruch der Medien werden immer wieder in Frage gestellt und fordern das Kritikvermögen des Zuschauers heraus. Einfache Antworten bietet der Film nicht, und schließlich rüttelt er einen mit seinem überraschenden und gewagten Ende noch einmal richtig auf.

Quelle: Alexandra Kaschek, Programmkino.de

 

Mehr Infos

Der Film im Internet

www.benx.kinowelt.de

Szenenfotos